Sehr geehrte Damen und Herren,

die Abteilung „Fort- und Weiterbildung“ des Unternehmens Einzelfallhilfe Rausch mit Sitz in Meerane möchte Sie zu Fortbildungsveranstaltungen einladen.

Wir verfolgen die Absicht, Einzelfallhilfe, überhaupt die Förderung von Kindern weiter zu qualifizieren. Besonders bedeutsam sind sonderpädagogische, psychologische und motopädagogische Förderansätze und Erkenntnisse für eine wirksame Tätigkeit auf diesem Gebiet.

Wir konnten für die verschiedenen Themen ausgewiesene und praxiserfahrene Referentinnen und Referenten gewinnen und möchten Sie zu uns einladen. Die Veranstaltungen vereinigen verschiedene didaktische Formen vom Vortrag zum Workshop bis zum Erfahrungsaustausch.

Wir möchten, dass Sie für Ihre Arbeit produktive Impulse erhalten und freuen uns auf Ihre Teilnahme, die natürlich schriftlich bestätigt wird.

Mit freundlichen Grüßen - Ihre Einzelfallhilfe Rausch

Fortbildungsveranstaltungen Einzelfallhilfe Rausch
Ort:  Äußere Crimmitschauer Straße 67, 08393 Meerane

Telefon: 0 37 64 - 795 17 78 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Beginn: 15.30 Uhr- Pause: 16.30 – 17.00 Uhr
Ende:  18.30 Uhr

Kosten:  Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EFH frei
  Für externe Interessentinnen und Interessenten 25 € je Veranstaltung

Leitung:  Prof. Dr. habil. Lothar Rausch

 

Prof. Dr. habil. Lothar Rausch
Einzelfallhilfe reagiert im Sinne des Einzelfalls bei Kindern mit coronabedingten Angstzuständen

Die Corona-Pandemie zieht sich gefühlt ohne Ende hin. Expertinnen und Experten sprechen von einer vierten Welle, doch die Schulen sind in weiten Teilen des Landes wieder geöffnet.
Gegenwärtig sind wir laut wissenschaftlicher Studienlagen mit „mehr psychischen Problemen“ bei Kindern und Jugendlichen konfrontiert. Veröffentlichungen von Krankenkassen und Kliniken sowie der Kinder- und Jugendreport der DAK lassen eine Zunahme psychischer Störungen bei Minderjährigen erkennen, wobei diese Tendenz besonders bei Ängstlichkeit und Depressionen auffällt. Ob dieser Prozess auf den Lockdown speziell oder allgemein auf die Pandemie zurückzuführen ist, kann gegenwärtig wissenschaftlich nicht beurteilt werden. Eine Studie der Charite` belegt aber, dass Isolations- und Quarantänemaßnahmen grundsätzlich mit negativen psychischen Folgen für die Betroffenen einhergehen.
Auf alle Fälle bringen Lockdowns mit ihren reduzierten Sozialkontakten und damit weniger Austauschmöglichkeiten erhöhte psychische Belastungen mit sich. Präsenzunterricht ist trotz Omikron gegenwärtig mit allem Für und Wider angesagt. Die Regeln – auch die Ampel-Regelungen, die Hygienkonzepte - unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, unter Umständen von Schule zu Schule sehr und verunsichern die Akteure – auch das hat Folgen für das Erleben von Kindern und Jugendlichen, von Lehrerinnen und Lehrern sowie von Eltern.
Angstzustände entwickeln sich offensichtlich im Zusammenhang und durch das Zusammenwirken vieler Faktoren und Prozesse und das sollte eine Einzelfallhilfe möglichst durch die Gestaltung der Interaktion mit den Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern berücksichtigen. Dabei ist klar, dass die Möglichkeiten der Beeinflussung durch die Einzelfallhilfe begrenzt ist. Welche Faktoren und Prozesse sind das?

  • Die oft sehr kontroverse mediale Berichterstattung und deren Widerspiegelung im Verhalten von Eltern, von Verwandten sowie Lehrerinnen und Lehrern. (Stichworte Impfung und Folgen, Maßnahmen, Krankheit und Sterben, Inzidenzzahlen, Long Covid, Vergleiche mit anderen Ländern, wirtschaftliche Lockdown-Folgen)
  • Familiäre Situationen und deren Wirkungen auf das Erleben. (Stichworte: häusliche Enge, fehlende Kompetenzen beim Umgang mit Medien und Unterrichtsmaterialien, fehlende didaktische und erzieherische Fähigkeiten von Eltern, widersprüchliche Erkenntnisse und Haltungen der Akteure zu speziellen Fragen der Pandemie, aggressive und intolerante Verhaltensweisen)
  • Sehr erschwerter Austausch und damit beeinträchtigter Abgleich mit anderen Schülerinnen und Schülern (Stichworte: Transport aller möglichen Meinungen und Haltungen zu einzelnen Problemen, Maskenpflicht und damit beeinträchtigte Kommunikation, Annahme oder Ablehnung von Impfangeboten, Verständigungen über Leistungsanforderungen und Wertung von Verhaltensweisen von Mitschülerinnen und Mitschüler, von Lehrerinnen und Lehrern)
  • Die Nichterkennbarkeit des Virus durch unser Wahrnehmungssystem und damit die leichte Mystifizierung dieser Erscheinung. (Stichworte: Infektionswege und -möglichkeiten, Ängstlichkeit anderer, Begründung von Schutzmaßnahmen – z.B. AHA-Regel)

 

Eine wichtige Stressformel lautet: Unbekannt = Feindlich = Stress. Ängstlichkeit, Angst, gar Panik sind psychische Reaktionen auf Dis - Stresserlebnisse mit ganz typischen Symptomen, die immer zu körperlichen Reaktionen führen. Unser peripheres Nervensystem, das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus, reagiert und führt besonders bei Heranwachsenden unter bestimmten, sich wiederholenden Erlebnissen zu einer entwicklungsbeeinträchtigenden Verfestigung von negativen „Wahrnehmungs- und Verarbeitungsfiltern“ im Menschen, die ihn unter Umständen ein Leben lang begleiten, sein Verhalten, Erleben und Handeln bestimmen. Damit wird die Entwicklung einer notwendigen Resilienz beeinträchtigt. Resilienz, auch Anpassungsfähigkeit, ist der Prozess, in dem Personen auf Probleme und Veränderungen mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren. Dieser Prozess umfasst: Auslöser, die Resilienz erfordern, Ressourcen, die Resilienz begünstigen und Konsequenzen.
In der Literatur werden diese Faktoren einer Resilienz unterschieden:

  • Selbstbewusst und optimistisch sein
  • Beziehungen zu anderen gestalten
  • Kontaktfreude ausstrahlen
  • Sich selbst akzeptieren können und Verantwortung übernehmen
  • Zu Lösungen kommen
  • Opferrolle verlassen und zum eigenen Gestalter werden
  • Zukunft planen und in der Gegenwart angehen

Diese sieben Faktoren können eine Richtschnur für das umsichtige und zielorientierte Handeln von Einzelfallhelferinnen und Einzelfallhelfern sein. Sie haben Wirkungen auf das Angsterleben und können Depressionen begegnen. Dazu muss man nicht unbedingt eine ausgebildete Psychologin oder ein Psychologe sein.
Im weiteren Text werden Auszüge aus Veröffentlichungen zusammengestellt, die unserer Auffassung nach orientierenden und aufklärenden Charakter für die Einzelfallhilfe haben können.


Nach Homeschooling: Schüler haben Angst in der Schule
Von Yaena Kwon

Schulen und Beratungsstellen sehen zunehmend, dass Kinder Angst haben, in die Schule zu gehen. Durch Homeschooling und die Unsicherheiten in der Corona-Zeit fühlen sie sich dem Schul-Alltag nicht gewachsen.
"Angefangen hat alles mit Bauchschmerzen, so dass sie nicht mehr den ganzen Tag am Unterricht teilnehmen konnte. Ich wurde immer wieder angerufen, dass ich sie abholen musste, dass sie Bauchweh hat. Kaum waren wir zuhause, hatten sich die Bauchschmerzen erledigt. Was natürlich irgendwann zu einer Steigerung geführt hat, so dass sie auch nicht mehr am Betreuungsangebot teilnehmen wollte, weil sie massive Angst geäußert hat – bis hin zur kompletten Schulverweigerung." Ihre siebenjährige Tochter schafft maximal zwei Stunden Präsenzunterricht am Tag, danach muss sie nach Hause, erzählt eine Mutter, die ihren Namen nicht nennen möchte. Und sie beschreibt ein Phänomen, dass gerade in vielen Schulen beobachtet wird. Nach einer langen Phase der sozialen Isolation falle einigen Kindern die Rückkehr in den Präsenzunterricht sehr schwer. Sie haben Probleme, sich wieder an einen geregelten Schulalltag zu gewöhnen und sich in die Klassengemeinschaft einzugliedern. Zahlen dazu werden nicht erfasst, sagt das Schulministerium.

Kinder wollen Eltern nicht allein lassen
"Oft stecken hinter der Schulangst aber auch familiäre Belastungen. Wenn zum Beispiel ein Elternteil die Arbeit verloren hat. Das Kind hat dann Sorge, dass den Eltern zu Hause etwas passieren könnte", so Dr. Giulio Calia, Chefarzt der Tagesklinik Walstedden und Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im extremen Fall leiden Kinder an einer Schulphobie, die mit Trennungsängsten verbunden ist und der Angst vor anstehenden Aufgaben, die auf die Schule projiziert wird.

Leistungsdruck und Versagensängste
Auch die 13-jährige Ayleen mag nicht mehr in ihre alte Schule gehen. In der Phase des Wechselunterrichts fühlte sich das Mädchen verunsichert und schulisch überfordert: „Wir hatten mal eine Videokonferenz. Ich konnte da wegen Internetprobleme nicht rein. Die Lehrer haben mir nicht geholfen. Ich hatte zwischendurch auch keinen Drucker und danach wurde mir trotzdem die Note Sechs gegeben.“ Seit einigen Monaten besucht Ayleen eine Tagesklinik wo sie mit anderen Kindern und Jugendlichen eine individuelle Betreuung, sowie Einzel- und Gruppentherapie erhält.


Symptome können Bauchweh und Kopfschmerzen sein
Vor allem die Übergangsjahrgänge sind betroffen, so Karen Wooding vom Schulpsychologischen Dienst in Köln. Also Kinder, die vom Kindergarten in die Grundschule oder von der 4. Klasse in die weiterführende Schule gekommen sind und keinen regulären Start hatten. "Es gibt Kinder, die psychosomatische Beschwerden aufweisen, beispielsweise über Kopf- und Bauchschmerzen klagen. Sie weinen, wenn sie in die Schule sollen und schaffen es nicht mehr, alleine in den Klassenraum zu gehen."
Wenn Eltern solche Symptome bei ihren Kindern bemerken, sollten sie ein ruhiges Gespräch mit ihrem Kind suchen und sich von der Schule oder dem schulpsychologischen Dienst beraten lassen.

Papa hat Corona: Wie Familien mit der schwierigen Situation umgehen

  • Wenn Papa oder Mama positiv auf das Coronavirus getestet werden, beginnt eine harte Zeit für die ganze Familie.
  • Mediziner geben Tipps: Wie Sie mit der Situation umgehen und was Sie vermeiden sollten. Steckt sich ein Familienmitglied mit Corona an, ist das schlimm genug. Komplizierter kann die Situation werden, wenn es Mama, Papa, oder - noch schlimmer - beide gleichzeitig erwischt und kleine Kinder mit im Haushalt leben.
    Der Kinderarzt Jakob Maske kennt das Problem. "Wir haben häufig positive Eltern, deren Kinder negativ sind." Und was macht man dann? "Man könnte natürlich sagen, dass die Kinder das ja einfach durchmachen sollen, weil es ja kein Problem für sie sei - doch so einfach ist das nicht", warnt der Mediziner. 

Warum man auch bei Kindern nicht einfach eine Ansteckung in Kauf nehmen sollte:

  • Auch wenn es selten ist: Eine Covid-19-Erkrankung kann auch bei Kindern einen schweren Verlauf nehmen.
  • Entzündungen aller Art sind ein möglicher Auslöser für bestimmte Krankheiten, zum Beispiel Typ-1-Diabetes. Genau wie andere Infektionen kann Corona dazu beitragen.

 

Wie Kindern die Isolation erklären?

Somit ist es wichtig, sich im Fall einer Infektion möglichst zu isolieren, sofern die Kinder noch keine Symptome zeigen. Maske ist allerdings auch bewusst, dass das je nach Alter der Kinder schwer umsetzbar sein kann - je jünger sie sind, desto komplizierter wird es wahrscheinlich.
Wie soll man einem Heranwachsenden erklären, dass man ihn gerade nicht knuddeln kann?
"Selbstisolation zu erklären, ist wahnsinnig individuell, und gerade bei kleinen Kindern schwer", sagt Maske. Bei ihnen sei es sicher oft nicht zu verhindern, dass sie Kontakt aufnehmen wollen. "Das ist schon sehr eingreifend und für die Kinder nicht immer gut verständlich. Es gibt hier leider auch kein Geheimrezept - es hilft nur, viel und einfühlsam erklären", sagt er.
Bei Kindern im Schulalter sei dies gut möglich, meint Hubertus Adam. Er ist Chefarzt an der psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche in Eberswalde. Bei Mädchen und Jungen im Kita- oder Säuglingsalter erübrige sich das jedoch.
FFP2-Maske auf dem Flur tragen
Ob eine Isolation praktisch möglich ist, hängt natürlich auch von den Räumlichkeiten ab: "Vielleicht kommt auch eine andere Lokalität dafür infrage", schlägt Kinderarzt Maske vor, beispielsweise eine andere Etage in einer Maisonette-Wohnung.
Doch auch auf kleinerem Raum ist eine Trennung möglich: "Man kann ja auch sagen, man isoliert den Elternteil in seinem Zimmer und der sollte eine FFP2-Maske tragen, wenn er etwa durch den Flur auf die Toilette geht", schlägt der Mediziner vor.
Kinder nicht allein lassen
Und trotz allem: "Auch im Falle einer Corona-Infektion ist es wichtig, dass Kinder emotional gut versorgt sind und zum Beispiel von den Eltern ins Bett gebracht werden", sagt Hubertus Adam. Es sei gefährlich, Kinder in solch einer beängstigenden Situation - meiner Mama oder meinem Papa geht es schlecht - allein zu lassen.
Ist es denn in Ordnung, das Kind kurz in den Arm zu nehmen?
Klar ist, dass das Risiko einer Ansteckung mit der Länge des Kontakts steigt. "Ein kurzer Kontakt ist nicht so gefährlich wie ein langer", sagt Maske dazu. Zugleich gibt er zu bedenken: "Dennoch kann das Virus auch bei einem kurzen Drücker übertragen werden."
Die grundsätzlichen Corona-Regeln sollten in so einer Situation besonders beherzigt werden. "Händewaschen und gutes Durchlüften ist neben Masketragen und Abstand auf jeden Fall sinnvoll", sagt Maske. Es sei eine kurze schwere Zeit, die man da gemeinsam durchmachen.


Der fittere Elternteil muss ran
Wie Eltern sich das in der Praxis aufteilten, hängt auch vom Gesundheitszustand der jeweiligen Person ab. Im Zweifel müsse der gesunde, oder - falls beide infiziert sind - fittere Elternteil die Sorgearbeit eben für eine gewisse Zeit auffangen, damit sich der andere auskurieren könne, sagt Adam. "Das ist in stabilen Familien in der Regel auch kein Problem, fünf oder sechs Tage lässt sich das mal überbrücken." Schwieriger sei das in sozial schwächeren Familien, in denen Kinder sich in so einer Situation vielleicht selbst überlassen sind.
Doch was ist, wenn Eltern sich schuldig fühlen, weil sie ihre Kinder am Ende auch noch mit Corona anstecken? "Häufig treten deswegen Schuldgefühle auf, das ist auch verständlich, aber nicht angebracht", findet Professor Adam. Niemand stecke einen anderen absichtlich an.
Es kann aber natürlich auch alles gut gehen, selbst wenn die Selbstisolation nicht wie gewünscht gelingt. "Wir haben auch Fälle von Familien, die nicht isoliert waren und wo trotz engen Kontaktes keine Ansteckung erfolgte", sagt Kinderarzt Maske. "Aber darauf darf man nicht vertrauen." (dpa/af)
Zu einigen, aus unserer Sicht wesentlichen Erscheinungen, die im Rahmen von Einzelfallhilfe reflektiert oder beachtet werden sollten:
Kinder sitzen in Klassenräumen und werden betreut, obwohl sie zu Hause vielleicht Kontakt zu Familienmitgliedern mit gesundheitlichem Risiko haben. Dürfen Eltern ihre Kinder zu Hause behalten und sich der Präsenzpflicht widersetzen?
Grundsätzlich gilt aktuell die Schulpflicht trotz der Corona-Pandemie weiterhin, erklärt der Verwaltungsrechtsexperte Matthias Ruckdäschel. In einigen Bundesländern ist die Präsenzpflicht aber aufgehoben. Wo sie gilt, müssten die Kinder im Zweifel in die Schule, so der Fachanwalt. "Es liegt nicht in der Entscheidungsgewalt der Eltern, die Kinder zu Hause zu behalten."
In der Regel würden die Einrichtungen mit einem geeigneten Hygienekonzept ihrer Schutzpflicht nachkommen. Auf der Webseite des sächsischen Kultusministeriums können sich Eltern genauer über die Hygieneverordnungen informieren. Dazu zählen beispielsweise detaillierte Regeln zum Lüften, Reinigen von Oberflächen und Abstandhalten oder bei welchen Symptomen Kinder zu Hause bleiben müssen.
Ausnahmegenehmigung: Allgemeiner Hinweis auf Pandemie reicht nicht aus
"Ein gewisses Infektionsrisiko mit dem neuartigen Cortonavirus gehört derzeit für die Gesamtbevölkerung zum allgemeinen Lebensrisiko", fügt der Rechtsexperte der AG Verwaltungsrecht in der Landesgruppe Bayern des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hinzu.
Was können Eltern also tun? Wer Zweifel am Schulbesuch seiner Kinder hat, ist nicht chancenlos. "Man kann bei der Schule Antrag auf Erteilung einer Ausnahme- genehmigung stellen", sagt der Rechtsanwalt. "Dabei ist es aber wichtig, wirklich in einer Ausnahmesituation zu sein." Ein allgemeiner Verweis auf die Pandemie reiche möglicherweise aus juristischer Sicht nicht aus. "Die Verwaltungsgerichte fordern hier eine atypische Sondersituation", so Ruckdäschel. Eine Ausnahme könne vorliegen, wenn die Kinder selbst ein erhöhtes Risiko haben oder wenn sich zu Hause andere gesundheitlich gefährdete Personen befinden.
So betont etwa das Ministerium für Schule und Bildung in Nordrhein-Westfalen, dass zwar prinzipiell Präsenzpflicht bestehe. "Es gelten jedoch auch weiterhin folgende Möglichkeiten zur Entbindung vom Präsenzunterricht zum Schutz von vorerkrankten Schülerinnen und Schülern sowie zum Schutz vorerkrankter Angehöriger, die mit Schülerinnen und Schülern in häuslicher Gemeinschaft leben", informiert das Ministerium für Schule und Bildung.
Angst vor Corona-Ansteckung: Beurlaubung beantragen
Eltern müssen sich also mit den Regeln befassen, die in ihrem Bundesland gelten. So ist eine befristete Beurlaubung in Bayern beispielsweise bereits aus anderen Gründen möglich: "Das Hygienekonzept stellt einen umfassenden Infektionsschutz an unseren Schulen sicher", heißt es in einem Rundschreiben an Eltern vom 22. Februar, "wenn einzelne Schülerinnen und Schüler (bzw. deren Erziehungsberechtigte) aber Angst vor Ansteckung haben und für sich ein individuell erhöhtes Risiko sehen, obwohl sie nach ärztlicher Einschätzung nicht zu einer Risikogruppe gehören, kann bei der Schulleitung ein Antrag auf Beurlaubung von den Präsenzphasen des Unterrichts gestellt werden."
Betroffene Schüler können in diesem Fall in den Distanz- statt Wechselunterricht gehen, ein Anspruch auf Distanzunterricht bestehe allerdings nicht. Über den Antrag entscheidet die Schulleitung. Weiter heißt es in dem Schreiben: "Diese Möglichkeit zur Beurlaubung besteht zunächst befristet bis zum nächsten Öffnungsschritt. An Tagen, an denen angekündigte schriftliche Leistungsnachweise stattfinden, dürfen die beurlaubten Schülerinnen und Schüler die Schule besuchen." (af/dpa)


Verwendete Quellen:
• dpa
• Ministerium für Schule und Bildung in Nordrhein-Westfalen
• Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus


Lockdown: Therapeutin weist Eltern auf häufigen Fehler hin und erklärt, was Kinder jetzt brauchen

Von Antonia Fuchs

„Kinder haben im Lockdown deutlich weniger Bezugspersonen - und brauchen ihre Eltern umso mehr.
Eine Therapeutin erklärt, wie wir unsere Kinder in der Krise stärken und von welcher Vorstellung sich Familien verabschieden sollten.
Eltern spüren schon lange, was Studien belegen: Kinder leiden sehr unter der Pandemie und den eingeschränkten sozialen Kontakten. Sie brauchen die Zuwendung ihrer Eltern mehr denn je. "Und das in einer Zeit, die mit Beruf und Homeschooling viele hart an die Grenze der eigenen Belastbarkeit bringt. Wir haben so viel zu meistern - und wollen unseren Kindern helfen, so gut wir können", beschreibt die Münchner Familientherapeutin Anette Frankenberger den Balanceakt im Gespräch mit unserer Redaktion.
Kann all das überhaupt gelingen? Frankenberger weist auf einen typischen Fehler hin, den viele Eltern gerade machen: "Sie versuchen, möglichst einen Normalzustand herzustellen. Das kann aber nur scheitern. Wir befinden uns in einer gewaltigen Ausnahmesituation. Sich das bewusst zu machen, hilft, Druck rauszunehmen. Das ist jetzt für den Familienfrieden entscheidend."
Corona-Lockdown mit Kindern: Hauptsache, es funktioniert
Alles immer möglichst gut hinkriegen zu wollen, was wir uns vorgenommen haben, sei eine typische Haltung in unserer Gesellschaft: "Jetzt ist dafür aber der denkbar schlechteste Zeitpunkt." Die Therapeutin ermutigt, Ansprüche herunterzuschrauben: "Kinder profitieren von entspannten Eltern. Dafür müssen wir uns von Idealvorstellungen verabschieden. Fragen Sie sich: Wie geht es jetzt möglichst leicht?"
Sie verdeutlicht es am Beispiel Homeschooling:

  • Eltern sind keine Lehrer und müssen es auch nicht sein.
  • Zu Hause muss es nicht möglichst so wie in der Schule laufen: "Weil Sie eben nicht in der Schule sind, darf es jetzt auch ruhig mal unkonventionell sein."
  • "Hauptsache, es funktioniert!", lautet der Maßstab. Ein Beispiel: "Das Kind will die Hausaufgaben am Boden liegend machen und will das unbedingt ausprobieren. Lassen Sie es - und wenn es funktioniert, behalten Sie es bei, wenn nicht, suchen Sie einen anderen Weg. Noch einmal: Hauptsache, es klappt."
  • Struktur, die sonst die Schule automatisch liefert, ist wichtig. "Aber: Planen Sie nicht die ganze Woche durch: Ziel ist, diesen Tag gut hinzubekommen."
  • Machen sie den Tagesplan am Morgen oder Abend vorher: "Wann wird gearbeitet, wann ist Mittagspause, wann gehen wir raus an die frische Luft? So wissen Groß und Klein, woran sie sind und wann gemeinsame Freizeit-Aktivitäten stattfinden."
  • Wenn dann die Technik spinnt, das Homeschooling den Zeitplan sprengt: "Bewahren Sie Ruhe. Struktur ist immer ein Vorschlag, kein Gesetz. Besprechen Sie alle gemeinsam: Was machen wir jetzt stattdessen.

Was Kinder stolz und glücklich macht

Für den harmonischen Ablauf und eine gesunde Entwicklung der Kinder gibt Frankenberger folgenden Tipp: "Beziehen Sie sie altersgemäß und möglichst viel mit ein. Wo möglich, lassen Sie Ihrem Kind eine Wahl. Lassen Sie es bestimmte Dinge versuchen."
Der Fachbegriff aus der Psychologie dazu heißt: Selbstwirksamkeit. "Das Kind lernt: Ich kann etwas aus eigener Kraft bewirken. Diese äußerst wichtige Erfahrung macht es nur, wenn die Eltern es auch lassen." Das gelte für Matheaufgaben ebenso wie etwa fürs Kochen: "Lassen Sie es üben - auch wenn sie zunächst Chaos in der Küche befürchten. Je nach Alter wird es lernen, Spaghetti für die ganze Familie zu machen - wahrscheinlich sogar eher, als Sie denken."
Wenn ein Kind etwas geschafft hat, freut es sich über Wertschätzung. Wichtige Sätze, die Eltern gar nicht oft genug sagen können:

• "Danke, dass das so gut geklappt hat."
• "Toll, du hast alles erledigt!"
• "Ich sehe dich."
• "Ich höre dir zu."

Wichtige Sätze: Das sollten Sie noch heute zu Ihrem Kind sagen
Von Antonia Fuchs

Aktives Zuhören ist ein wichtiger Schlüssel - generell
Aufschlussreich für betreuende Erwachsene ist vor allem ein Fazit, dass die Forscher der Universitäten Tübingen und Luxemburg aus ihrer Studie "COVID KIDS" zogen: Die Situation der Kinder ließe sich durch aktives Zuhören der Erwachsenen verbessern.
"Wir neigen dazu, Kinder schnell zu unterbrechen und gleich „Nein, das geht jetzt nicht' zu sagen", erläutert dazu Frankenberger. Aktives Zuhören bedeute konkret, das Kind sprechen zu lassen, wirklich bis zum Ende zuzuhören und nachzufragen. Zum Beispiel:

• "Warum willst du denn fernsehen?", "Was interessiert dich denn?", "Warum findest du diese Serie so gut?", "Vielleicht können wir das ja nach dem Aufräumen einrichten?"

Wer auf das Kind eingeht, verhindert Frust. Im aktiven Zuhören sieht Frankenberger einen wichtigen Schlüssel zu Selbstwirksamkeit und einem gesunden Selbstwertgefühl: "Statt einfach nur klare Ansagen zu machen, suchen Sie mit den Kindern Lösungen. Wir Erwachsene mögen es ja auch nicht, wenn über unsere Köpfe hinweg entschieden wird."
Aktives Zuhören lohne sich auch beim berühmten Thema Langeweile: "Wimmeln Sie das Kind nicht ab, wenn es jammert ,Ich weiß nicht, was ich machen soll!' Lassen Sie es erzählen, wie es ihm gerade geht. Gut möglich, dass es dabei bereits Ideen entwickelt. Wir müssen nicht alles für sie lösen, sie können so viel selbst. Darin können wir sie schon durch aktives Zuhören bestärken."
Bei Fragen zum Coronavirus rät sie, zusammen auf kindgerechten Seiten im Netz zu recherchieren. "Kinder halten es aus, wenn die Eltern auch mal sagen: „Ich weiß es nicht. Lass es uns doch gemeinsam herausfinden'."
Weniger Kontakte lassen sich nicht „wegtrösten"
Am meisten leiden Kinder laut der "COVID KIDS"-Studie unter den reduzierten Kontakten. "Wenn Kinder ihre Freunde und Verwandten vermissen, sollte man nicht versuchen, das „wegzutrösten“. Das wäre ein Fehler", betont Frankenberger. Wieder rät sie zum aktiven Zuhören:

• "Sprechen Sie mit dem Kind darüber. Erzählen Sie dem Kind, wenn es Ihnen ebenso geht. Die Situation ist traurig und belastend. Es ist wichtig, dass Kinder darin auch bestätigt werden, damit sie nicht denken: Mit meinen Gefühlen stimmt etwas nicht. Erst wenn ich diese Gefühle zulassen kann, kann ich wiederum eine Lösung finden, damit umzugehen."

Dass nun viele Enkel oft und lange mit ihren Großeltern telefonieren und ihnen per Video neu gebaute Lego-Bauten zeigten, sei kein hundertprozentiger Ersatz. "Aber: Besser als nichts! Vor allem, wenn Mama und Papa auch noch arbeiten müssen und das Kind so eine Weile beschäftigt ist." Überhaupt sei das ein Satz, der gerade auf vieles passe: "Besser als nichts. Auch mit den Kindern kann man immer wieder gemeinsam den Blick auf das richten, was man hat und was gut geht - nicht nur auf das, was gerade nicht geht."
Ein guter Zeitpunkt sei das Abendessen: "Wofür bin ich heute dankbar? Dankbarkeit ist ein sehr wichtiger Faktor für die seelische Gesundheit. Was war gut? Was ist heute gelungen?" Wenn es etwas gibt, was nicht so gut laufe, könnten Eltern sich das aufschreiben: "In den Augen unserer Kinder vergessen wir sehr viel. Da ist das Aufschreiben ein schönes Signal: Ich nehme ernst, was du sagst, und ich werde es nicht vergessen."

 

10 Ideen gegen aufkommende Langeweile zu Hause mit Kindern
von Michael Eichhammer

„Ausgeglichenheit durch Bewegung
Ein Grund für Frust könne auch ein Mangel an Bewegung sein. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen mindestens 60 Minuten Bewegung am Tag für Fünf- bis 17-Jährige ergeben sich im Lockdown-Alltag nicht gerade von selbst. Hilfe liefert hier das Internet: Der Basketballverein Alba Berlin bietet nach wie vor auf YouTube "Albas tägliche Sportstunde" für verschiedene Altersgruppen. Zudem gibt es mit "Kitu" eine neue kostenlose App, die zum Turnen zu Hause animiert.
Frankenberger schlägt vor, Bewegung und "Zeit miteinander" zu kombinieren: gemeinsam joggen gehen, kindgerechtes Yoga, Bewegungsspiele an der frischen Luft.
Irgendwann ist "nach Corona"
Was letztlich alles leichter mache: Humor - und sich eines wieder und wieder bewusst machen: "Dass diese Krise enden wird", erinnert Frankenberger. Sie hofft allerdings, dass nicht alle Erkenntnisse aus dieser Zeit versanden werden: "Es ist ja nichts Neues, dass viele Kinder es schwer haben. Schulstress, Druck, Mobbing - um nur einige Stichpunkte zu nennen. Wir sollten generell genauer hinschauen, wie es unseren Kindern geht."
Auch das Thema Selbstfürsorge sei durch die Krise in den Medien präsenter geworden: "Das ist wichtig für die Harmonie in den Familien. Kinder müssen lernen: Mama und Papa brauchen auch ihre Zeit für Ruhe und Erholung und sind nicht dafür da, immerzu Programm zu machen." Von A bis Z durchgeplante Tage seien ein gewaltiger Stressfaktor in Familien: "Mehr Langsamkeit - das sollten wir uns für die Zeit nach Corona vornehmen."
Verwendete Quellen:

• Interview mit der Paar- und Familientherapeutin Anette Frankenberger
• WHO
• "COVID KIDS", Universität Tübingen

Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche sind in ihrem Alltag Stress und hohen Belastungen ausgesetzt. Laut einer forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse steht ein Drittel der Sechs- bis 18-Jährigen dauerhaft unter Druck. Die Corona-Krise hat die Situation noch einmal verschärft: 77 Prozent der rund 1.000 befragten Mütter und Väter sagen, dass die Pandemie ihr Kind belastet und zusätzlichen Stress auslöst. In der Gruppe der Eltern von Zehn- bis Zwölfjährigen haben dies sogar 83 Prozent beobachtet. Viele Eltern befürchten durch die Krise zudem langfristige negative Folgen für ihr Kind.
Einsamkeit und Langeweile größte Corona-Stressfaktoren
Sich monatelang nicht mit Freunden treffen und nicht in Vereinen, Sport- und Musikgruppen aktiv sein zu können, schlägt mehr als 80 Prozent der Schüler aller Altersstufen auf die Seele. Gut die Hälfte der Eltern gibt darüber hinaus an, dass sich ihr Kind durch das Lernen im Homeschooling gestresst fühlt. Unter den Zehn- bis Zwölfjährigen verspüren sogar rund zwei Drittel zusätzlichen Druck durch fehlenden Präsenzunterricht und digitales Lernen zu Hause, erst recht in Familien mit mehreren Kindern und wenig Platz für konzentriertes Arbeiten. „Wir kennen das alle. Wenn wir gestresst sind, dann geht es uns nicht gut. Bei Kindern ist das nicht anders“, erläutert KKH-Psychologin Franziska Klemm. „Sie klagen dann zum Beispiel über Kopf- und Bauchschmerzen, können schlecht einschlafen oder reagieren schon auf Kleinigkeiten heftig und impulsiv.“

Zehn- bis Zwölfjährige leiden besonders
Ein größeres Problem für die Zehn- bis Zwölfjährigen als für die anderen Altersgruppen ist außerdem das Auf-sich-allein-gestellt-Sein, wenn Eltern auswärts arbeiten müssen, die Schulen geschlossen sind und keine Betreuung etwa durch Großeltern oder Nachbarn möglich ist. Dass sämtliche Veränderungen durch die Corona-Krise gerade Schüler in diesem Alter besonders mitnimmt, wundert Franziska Klemm nicht: „Mit elf, zwölf Jahren befinden sich die Kinder gerade in einer Umbruchsphase. Die Kindheit endet und die Pubertät beginnt. Das ist ohnehin schon eine schwierige Zeit, die viele Veränderungen mit sich bringt, sowohl körperlich als auch psychisch. Die Pandemie verstärkt einige dieser Herausforderungen noch und bringt zusätzliche, ganz neue Hürden mit sich.“

Zukunftsängste versus Entwicklungsstörungen
Die Älteren sind hingegen deutlich mehr von Zukunftsängsten geplagt als die Jüngeren: 36 Prozent der Schüler im Absolventenalter belastet die Sorge, durch die veränderten Lernbedingungen in der Krise den Anschluss in der Schule zu verlieren (im Vergleich zu 22 Prozent der Grundschüler). Dementsprechend befürchtet auch gut die Hälfte der Eltern von 16- bis 18-Jährigen, dass ihr Kind schlechtere berufliche Perspektiven durch längerfristige wirtschaftliche Probleme infolge der Corona-Krise haben könnte. Die Eltern der Sechs- bis Neunjährigen treibt hingegen vor allem die Sorge um, dass sich die Krise negativ auf die Persönlichkeitsentwicklung ihres Kindes auswirkt: Das sagt gut die Hälfte der befragten Mütter und Väter. Ein Viertel aller Eltern befürchtet außerdem, dass ihr Kind aufgrund der Corona-Krise psychische Erkrankungen wie Depressionen entwickeln könnte.

Dass diese Befürchtungen nicht ganz unbegründet sind, kann Professor Dr. Marcel Romanos vom Universitätsklinikum Würzburg bestätigen, denn in den vergangenen Wochen sind die Anmeldungen in den Kinder- und Jugendpsychiatrien in Deutschland wieder angestiegen. Hierzu tragen vor allem die Corona-bedingten Einschränkungen im Alltag bei, die zu einer zunehmenden Belastung geführt haben. So stehen etwa viele Eltern und Kinder unter erheblichem Druck, die Anforderungen im Homeoffice und Homeschooling zu bewältigen. „Familien, in denen es bereits vor der Pandemie psychische Erkrankungen gab, leiden besonders unter der Situation und klagen über Stress und Einsamkeit“, erläutert Romanos. Aus seiner Sicht belegt die Umfrage, dass die mittlerweile lange Dauer der Pandemie auch den Kindern einiges abverlangt. Der Experte befürchtet allerdings, dass die eigentlichen Herausforderungen noch bevorstehen: „Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen haben, wird der Ruf laut werden, dass die Kinder das Versäumte so schnell wie möglich wieder aufholen sollen. Wenn wir dies undifferenziert und mit der ‚Brechstange‘ verfolgen, werden wir sehr schnell einen erheblichen Anstieg psychischer Störungen bei Kindern sehen.“

Schon vor Corona: Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch
Laut einer Datenanalyse der KKH haben bereits vor der Krise psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zugenommen, die sich aus emotionalem Stress und Konflikten entwickeln können. So sind die Fälle von Depressionen bei den Sechs- bis 18-jährigen KKH-Versicherten von 2009 auf 2019 um fast das Doppelte (rund 97 Prozent) angestiegen. Es folgen Anpassungsstörungen und depressive Reaktionen auf schwere Belastungen mit rund plus 72 Prozent, Angststörungen mit plus 45 Prozent, Schlafstörungen mit plus 29 Prozent und Essstörungen mit plus 13 Prozent. Immer häufiger stellen Ärzte außerdem schon im Schulalter die Diagnose Burnout. Auch da registriert die KKH im selben Zeitraum einen enormen Anstieg – bei den 13- bis 18-Jährigen sogar um mehr als das Doppelte. Das zeigt, dass schon vor der Krise immer mehr Schüler Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung hatten und ausgebrannt waren. Burnout ist keine eigenständige Krankheit, sondern gilt als Vorstufe zur Depression und wird in der Regel als Zusatzdiagnose im Zuge anderer, meist auch psychischer Erkrankungen gestellt.

2019 waren bundesweit rund 27.000 Sechs- bis 18-jährige KKH-Versicherte von einer oder mehrerer der genannten psychischen Leiden betroffen. Hochgerechnet auf ganz Deutschland sind das rund 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche. Eine erste Datenauswertung für das erste Halbjahr 2020 deutet zudem darauf hin, dass die Zahlen auch in der Corona-Krise weiter steigen, denn bei allen genannten psychischen Erkrankungen liegt der Anteil der betroffenen Kinder und Jugendlichen in diesem Zeitraum bereits über dem Halbjahresdurchschnitt von 2019. Eine verlässliche Analyse ist aber erst möglich, wenn in einigen Monaten die Daten für das gesamte Jahr 2020 vorliegen.

Alte und neue Stressoren bei Kindern und Jugendlichen
Permanenter Leistungs- und Konkurrenzdruck in der Schule, Mobbing sowie gesellschaftlicher Druck durch Medien, Idole und Influencer: Das waren vor der Pandemie die Stressfaktoren, die Schülern am meisten auf die Seele schlugen (KKH-Umfrage von 2018). Zukunftsängste und Einsamkeit haben diese Faktoren in der Krise zwar zurückgedrängt, doch wenn der normale Schul- und Freizeitalltag wieder einkehrt, wird auch der Konkurrenzdruck beim Sport oder in der Schule wieder an Bedeutung gewinnen. Außerdem müssen Kinder und Jugendliche die Krise und ihre Folgen erst einmal verarbeiten. Doch wie kann das am besten gelingen? „Nach der Pandemie wird nicht sofort alles wie früher sein. Das dürfen Eltern auch von ihren Kindern nicht erwarten. Was während der Krise geholfen hat, ist daher auch nach der Krise besonders wichtig: Regelmäßige Gespräche über Ängste, Wünsche und Sorgen“, sagt KKH-Psychologin Franziska Klemm. „Auch positive Erlebnisse können helfen, den emotionalen Tank wieder aufzufüllen. Das können zum Beispiel Unternehmungen sein, die man gemeinsam plant und realisiert. Das war ja wegen der Corona-Einschränkungen in den vergangenen Monaten größtenteils nicht möglich.“ Den regelmäßigen Austausch in der Familie halten laut KKH-Umfrage auch 84 Prozent der Eltern für wichtig. Fast 90 Prozent der Mütter und Väter geben darüber hinaus an, dass Eltern ruhig bleiben und ein Vorbild sein sollten – und auch das gilt nicht nur für Krisensituationen.

Die KKH bietet zahlreiche Präventionsprogramme für Kinder und Jugendliche an und arbeitet mit dem Deutschen Zentrum für Präventionsforschung (DZPP) zusammen, um die psychosoziale Gesundheit von Kindern zu stärken und ein gesundes Aufwachsen zu fördern.

Erläuterungen zu Daten und Experten:
Das Marktforschungsinstitut forsa hat im Auftrag der KKH 1.002 Eltern schulpflichtiger Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren im März/April 2021 bundesweit repräsentativ befragt. Basis für die Auswertung der psychischen Krankheiten nach ICD-10 sind anonymisierte Daten von bundesweit rund 200.000 KKH-versicherten Sechs- bis 18-Jährigen.

Professor Dr. Marcel Romanos ist u. a. Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Würzburg und Leiter des Deutschen Zentrums für Präventionsforschung (DZPP), mit dem die KKH zusammenarbeitet.

Franziska Klemm ist Psychologin und Mitarbeiterin im Fachbereich Prävention der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Ihre Fachgebiete sind Stress, Sucht sowie psychosoziale Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen.

Die KKH Kaufmännische Krankenkasse ist eine der größten bundesweiten gesetzlichen Krankenkassen mit mehr als 1,6 Millionen Versicherten. Nähere Informationen erhalten Sie unter kkh.de/unternehmen/kurzportraet.

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